Aus der Podcast-Besprechung („“Die goldenen Zwanziger““) über Liz Pellys Buch „Mood Machine: The Rise of Spotify and the Cost of the Perfect Playlist“:
1. Spotify-Gründung und Intention: Spotify wurde von Daniel Ek und Martin Lorentzon gegründet, die ursprünglich aus der Werbebranche kamen und keine echte Leidenschaft für Musik hatten. Sie wollten eine Werbeplattform schaffen und erkannten in Musik eine profitable Möglichkeit.
2. Monetarisierungsmodell: Spotify zahlt Künstlern etwa 0,00286 € (0,286 Cent) pro Stream. Dieses Modell begünstigt Quantität über Qualität und benachteiligt Künstler, deren Musik nicht ständig wiederholt wird, aber künstlerisch wertvoll ist.
3. Playlists und Algorithmen: Mit der Zeit wandelte sich Spotify von einer reinen Musik-Suchplattform zu einer Playlist-getriebenen Plattform. Der Algorithmus bevorzugt „glatte“ Musik, die nicht auffällt und zum Dauerhören geeignet ist. (Podcast / Böhmermann Schulz Öffis abgekauft Vorbild für folgende / neuerdings auch Hörbucher / lustigerweise auch Liz Pellys Buch)
4. Spotifycore“ und Musikveränderung: Es ist ein eigener Musikstil entstanden („Spotifycore“), der für Spotify optimiert ist – glatt, unauffällig, ohne markante Ohrwurm-Melodien. Künstler passen ihre Musik an, um den Algorithmus zu bedienen.
5. KI und „Ghost Artists“: Spotify nutzt zunehmend KI-generierte Musik und „Ghost Artists“ (nicht existierende Künstler), um billigeren Content zu produzieren, der sich in die Playlists einfügt und weniger Tantiemen kostet.
6. Individuelle Verträge statt Transparenz: Alle Künstler haben unterschiedliche Verträge mit Spotify, die unter Geheimhaltungsvereinbarungen stehen, was Transparenz verhindert und die Verhandlungsposition der Künstler schwächt.
7. Überwachungskapitalismus: Spotify sammelt umfangreiche Nutzerdaten, die als wertvoller Datenschatz an andere Unternehmen weitergegeben werden.
8. Verdrängung traditioneller Musikkonzepte: Die Indie-Szene wird systematisch verdrängt, da es keine Alternative zu Spotify gibt, wenn man als Künstler wahrgenommen werden will.
9. Ungleiche Verteilung der Einnahmen: Die Spotify-Gründer sind Milliardäre geworden, während der durchschnittliche Künstler auf der Plattform nur etwa 13.500 Dollar im Jahr verdient.
10. Mögliche Alternativen: Als potenzielle Alternative werden öffentliche Bibliotheken genannt, die einen ähnlichen Zugang zu Musik und Medien bieten könnten, aber ohne das problematische Geschäftsmodell.
„Die Podcast-Hosts zeigen sich erschüttert über die Entwicklung und die systematische Aushöhlung des künstlerischen Wertes von Musik durch Spotifys Plattform-Monopol.„
1. Zusammenfassung von Mood Machine (von Liz Pelly)
Liz Pelly untersucht in ihrem Buch Mood Machine: The Rise of Spotify and the Costs of the Perfect Playlist die gesellschaftlichen und kulturellen Folgen des Musikstreamings, insbesondere durch Spotify. Sie zeigt, wie der Streamingdienst:
- die Musiknutzung auf Stimmungen und Aktivitäten reduziert (z. B. „Chill“, „Workout“, „Focus“),
- Künstler*innen zunehmend unter Druck setzt, sich algorithmischen Kriterien anzupassen,
- die Musikindustrie insgesamt in eine daten- und profitgetriebene Richtung verändert,
- unfaire Vergütungssysteme etabliert, bei denen große Labels bevorzugt werden,
- und kulturelle Vielfalt und Musikkreativität gefährdet, indem „risikoarme“ Musik bevorzugt wird.
Spotify erscheint bei Pelly nicht als neutraler Musikvermittler, sondern als aktiver Gestalter einer „Musikmaschine“, die Hörerinnen und Künstlerinnen gleichermaßen in eine Plattformlogik zwingt.
2. Analyse der zentralen Thesen
These 1: Musik wird zur Stimmungsware
Spotify vermarktet Musik zunehmend als emotionales Accessoire. Playlists mit Titeln wie Mood Booster, Peaceful Pianooder Deep Focus sind auf Hintergrundnutzung ausgelegt – Musik als Funktionsmittel, nicht als Kunstform.
Analyse:
Diese Entkoppelung von Kontext, Inhalt und Künstler führt zu einer Entwertung von Musik als kulturellem Ausdruck. Musik wird konsumiert wie ein Kaffee – zur passenden Tageszeit und Stimmung.
These 2: Algorithmen formen Musikproduktion
Musiker*innen passen ihre Songs so an, dass sie algorithmisch „sichtbar“ werden:
- kurze Intros,
- häufige Veröffentlichungen,
- bestimmte Tempi oder Tonlagen,
- keine Experimente.
Analyse:
Das beeinflusst langfristig, wie Musik entsteht. Künstler*innen verlieren Freiheit – nicht durch Zensur, sondern durch wirtschaftlichen Druck, „streambar“ zu sein.
These 3: Spotify ist ein profitorientiertes Tech-Unternehmen, kein Kulturförderer
Spotify gibt sich nutzerfreundlich, ist aber ein datengetriebenes Unternehmen mit engen Verbindungen zu großen Labels, Tech-Firmen und der Werbeindustrie. Die Vergütung ist undurchsichtig, und viele unabhängige Künstler*innen verdienen kaum.
Analyse:
Pelly entlarvt Spotify als Teil des Plattformkapitalismus – einem System, in dem maximale Nutzungszeit, Datengewinnung und Skalierbarkeit wichtiger sind als kulturelle Qualität.
3. Einordnung in gesellschaftliche und medienkritische Debatten
Liz Pellys Kritik passt in mehrere größere Diskurse:
Plattformkapitalismus
Spotify funktioniert wie andere Plattformen (Amazon, Facebook, YouTube): Es bietet „Zugang“ zu Inhalten, kontrolliert aber die Infrastruktur, die Regeln und die Bezahlung. Es ist ein typisches Beispiel für digitale Monopolisierung.
Mood Machine stellt die Frage: Wem gehört die digitale Öffentlichkeit, und unter welchen Bedingungen?
Kreativität unter ökonomischem Druck
Wie viele andere Kreativbranchen ist auch Musik heute vom Marktdruck der Sichtbarkeit betroffen. Algorithmen bewerten Inhalte nicht nach künstlerischem Wert, sondern nach Verweildauer, Engagement und Massenkompatibilität.
Folge: Eine Homogenisierung der Inhalte und eine Reduktion kultureller Vielfalt.
Emotionaler Kapitalismus
Wenn Plattformen Gefühle zum Geschäftsmodell machen, spricht man vom emotionalen Kapitalismus. Spotify verkauft „Stimmungen“ – also emotionale Zustände – als Ware. Musik wird dadurch funktionalisiert und ihrer Tiefe beraubt.
Die Frage ist: Wird unser emotionales Erleben durch Plattformlogik manipuliert oder gesteuert?
Zivilgesellschaftlicher Widerstand & Alternativen
Pelly erwähnt alternative Modelle:
- kooperative Streamingplattformen,
- direkter Support über Bandcamp oder Patreon,
- bewusster Medienkonsum.
Ihre Vision: Musik sollte nicht dem algorithmischen Diktat unterliegen, sondern als sozialer, kultureller und emotionaler Ausdruck geschützt und gepflegt werden.
Fazit:
Liz Pellys Mood Machine ist ein kulturkritisches Sachbuch über die unsichtbaren Machtstrukturen hinter Musikstreaming. Es verbindet Technik‑, Medien- und Kapitalismuskritik und zeigt auf, wie Spotify die Bedingungen für Musikschaffende, Hörer*innen und Kultur insgesamt verändert – oft subtil, aber mit tiefgreifenden Konsequenzen.
Wie viel verdienen Künstler mit dem Streaming Ihrer Songs?
Faktoren, die einen Einfluss auf den Streaming Verdienst haben:
- Land und Standort des Hörers
- Ob der Hörer ein kostenpflichtiges Abonnement oder ein kostenloses Konto hat
- Der spezifische Tantiemesatz des Künstlers
- Die relative Preisgestaltung & Währung in verschiedenen Regionen
- Das macht die Dinge kompliziert, wenn man versucht vorauszusagen, was Künstler an Streams verdienen. Es ist so gut wie unmöglich, genau zu berechnen, wie viel mit einer bestimmten Anzahl von Streams verdienen werden kann, da im Normalfall all diese Faktoren berücksichtigt werden müssen.
Pro 1000 Streams:
Spotify ca. 2,86 €
Apple Music ca. 6,76 €
Tidal ca. 11,50 €
Amazon Music ca. 3,70 €
Deezer Music ca. 6,22 €
Google Play Music ca. 6,22 €
Youtube ca. 0,63 €
Napster ca. 17,48 €
Soundcloud ca. 1,20 €
Pandora ca. 1,22 €